WELTANSCHAUEN - einfach reisen zu Land und Leuten
18 abenteuerlustige Reisende steigen ein in den komfortablen Nightjet nach Hamburg, von wo es am nächsten Morgen gleich nach Kopenhagen weitergeht. Das Hotel Astoria neben dem wunderschönen Bahnhofsgebäude war einst Unterkunft für Bahnbedienstete und erinnert mit nostalgischem Charme an vergangene Zeiten. Kopenhagen empfängt uns mit tiefblauem Himmel und eisigem Wind. Das Zentrum von Kopenhagen lässt sich gut zu Fuß erkunden und vom Turm des Parlaments hat man einen fantastischen Panoramablick auf die entspannte Hauptstadt von Dänemark. Bei einem köstlichen Abendessen im Restaurant Cofoco beginnt das Kennenlernen und Zusammenwachsen der Gruppe in netter Atmosphäre. Weltanschauen wird erstmals auch filmisch begleitet, Valerie macht ihre Masterarbeit über nachhaltiges Reisen und dokumentiert sehr behutsam und unaufdringlich unsere Reise in den Norden. Am nächsten Vormittag besucht uns David, ein dänischer Freund von Bettina, im Hotel, er ist Musiker, hat in Wien studiert und in einem netten Gespräch erfahren wir Interessantes über Alltag und Stimmung in Dänemark.
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Dann beginnt das nächste Zugabenteuer, es geht über Malmö weiter nach Stockholm und nach einer kurzen Pause in Stockholm besteigen wir den Nachtzug nach Lappland.Der Nattåg 92 fährt planmäßig bis Luleå (rund 1.000 km), aber am nächsten Morgen wird es ihm zu kalt. Das automatische Schließsystem funktioniert nicht mehr und nach ein paar Stunden werden wir gebeten, den Zug zu verlassen und in den Regionalzug nach Umeå zu steigen. Dort werde sich die SJ (die schwedische Eisenbahngesellschaft) weiter um uns kümmern. Das tut sie nicht wirklich, also checkt Christoph, dass uns unser Guide Beatrice mit dem Bus in Skellefteå abholt, wo wir mit einem Regionalbus hinfahren. In dieser Stadt gibt es das Wood Hotel, weltweit eines der größten Holzgebäude. Aus der geplanten Mittagspause am Storforsen Wasserfall wird ein abendlicher Rundgang und nach dem Check-In im STF Åsgård Vandrarhem in Jokkmokk haben wir uns die erste Pizza Lappland (mit Rentierfleisch) wirklich verdient.
Im Februar 1605 fand der erste Sami-Markt in Jokkmokk statt. Er beginnt jährlich am ersten Donnerstag im Dezember und endet am darauffolgenden Samstag. Der Jokkmokks Vintermarknad gehört zu den ältesten regelmäßig stattfindenden Märkten der Welt und ist bis heute ein wichtiges Ereignis für die Sami aus ganz Skandinavien. Sehr toll ist auch das Ájtte Museum, wo man einen wirklich umfassenden Überblick über Kultur und Lebensweise der Sami bekommt.
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Und ganz individuell spannend sind dann auch unsere Erlebnisse auf und um den Markt bei Einkäufen, kulinarischen Entdeckungen, Rentierschlittenrennen, tollen Konzerten mit lokalen Musiker:innen und Yoiker:innen, traditionellen Tänzen und immer wieder das bunte Bild der Sami in ihrer traditionellen Kleidung. Wir sind in Sápmi, dem Land der Samen, die seit Jahrhunderten mit ihren Rentierherden in Schweden, Norwegen, Finnland und Russland leben. Das Land ist reich an Bodenschätzen, Energie wird günstig aus Wasserkraft gewonnen und die naturverbundene Lebensweise ist durch Landnahme, Christianisierung und die Zerstörung kultureller Traditionen seit der „Kolonialisierung“ der Sami im 16. Jahrhundert bedroht. Heute besinnt man sich wieder auf die ursprünglichen Handwerkstechniken, es gibt ein Ausbildungszentrum in Jokkmokk und in der Grundschule wird die lokale samische Sprache unterrichtet.
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Nach zwei Tagen mit buntem Markttreiben in Jokkmokk freuen wir uns auf die Abgeschiedenheit im Wildnisdorf Solberget. Dirk Hagenbuch hat sich in diesem mehr als 100 Jahre alten Gehöft mitten in der Wildnis Lapplands einen Traum erfüllt. Solberget liegt am nördlichen Polarkreis. Frisches Wasser wird aus einer Quelle geschöpft, Brauchwasser aus dem Brunnen und Petroleumlampen sorgen für Licht. Wir tragen alle dafür Sorge, dass das Wasser in den Küchen nicht ausgeht, die Sauna beheizt wird, die Petroleumlampen nachgefüllt werden, abgewaschen wird und vor allem, dass Holz und Birkenrinde für die gusseisernen Öfen vor Ort sind. Für die verdauungsbedingten Bedürfnisse gibt es Plumpsklos und waschen kann man sich in einem Nebenraum der Sauna, wenn das Wasser aufgeheizt ist. Wir schlafen im alten Gästehaus, in der Holzfällerhütte und in einem umgebauten Bauwagen. Gegessen wird im ehemaligen Stall, wo die Lebensmittel für Frühstück und Jause bereitgestellt werden und am Abend ein köstliches Mahl serviert wird, Fleischesser:innen freuen sich über Ren und Elch, die Gemüsegerichte sind zu dieser Jahreszeit weniger regional. Das alles bei klirrender Kälte, es hat bis zu 34 Grad (das Minus spart man sich am Polarkreis), die Nordlichter tanzen jede Nacht am Himmel und morgens und abends sehen wir stundenlang alle Schattierungen von Rot und Lila. Die Bäume beugen sich unter der Last des glitzernden Schnees und die Winterlandschaft ist traumhaft schön.
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Wenn man dann noch mit kundigen Guides auf alten hölzernen Skiern oder auf Schneeschuhen im Winterwald und auf dem weiten zugefrorenen Sumpfgelände unterwegs ist, könnte man glatt auch zum Winterjunkie werden. Es gibt auch ein samisches Zelt, eine Kote, mit einer offenen Feuerstelle. Juhán Niila Stålka, der Yoiker und Storyteller aus Jokkmokk, den manche von uns schon in der alten Kirche in Jokkmokk gehört hatten, yoikt für uns und ist auch aufgeschlossen für unser Jodeln. Wir lernen, dass man nicht über etwas, sondern etwas yoikt. Juhán verbindet das traditionelle Yoiken mit dem Erzählen von Geschichten und gibt uns auch ein paar spannende und durchaus kritische Einblicke, was den Umgang des schwedischen Staates mit den Sami betrifft. Wir haben auch ein sehr informatives Gespräch mit Lars, einem alten Rentierzüchter, der uns aus seinem Leben und dem Jahreszyklus eines Rentierhalters erzählt. Die Sami merken den Klimawandel schon seit Jahrzehnten, weil sich insbesondere die Futtersuche im Winter für die Tiere dramatisch ändert. Traurig macht uns seine Aussage, dass er seinen Enkel:innen heute davon abraten würde, Rentierzüchter zu werden.
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Am Mittwoch machen wir einen Ausflug nach Kiruna. Kiruna ist allen ein Begriff, weil ein Teil der Stadt für den weiteren Abbau von Eisenerz umgesiedelt werden muss und viele die Übersiedlung der alten Holzkirche im letzten Sommer in den Medien gesehen haben. Michael empfängt uns am Bahnhof von Kiruna (nachdem wir wieder ein kleines Abenteuer mit Weichenstörung und Schienenersatzverkehr hatten, was uns aber zu einem guten Espresso in Gällivare verholfen hat) und erzählt uns Spannendes über die ganze Thematik der Übersiedlung. Mittlerweile dürften noch viel mehr Menschen betroffen sein wie bisher kommuniziert wurde. Hört sich teilweise wie ein Thriller an und LKAB (die Erzgesellschaft) hat hier eindeutig das Sagen. Kiruna gäbe es ohne die Mine nicht und viele Menschen arbeiten in der Mine bzw. auch den ganzen mit der Mine verbundenen Unternehmen und Einrichtungen. Trotzdem bedrücken uns die Auswirkungen dieser rein kapitalorientierten Herangehensweise und die Zerstörung der Natur, insbesondere auch unter dem Eindruck der Gespräche mit Lars, dem alten Rentierzüchter, und Juhán, dem jungen Yoiker. Kiruna wird 2029 Kulturhauptstadt Europas sein und Weltanschauen will da natürlich auch dabei sein.
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Jeden Winter kommen Künstler:innen aus aller Welt ins Dorf Jukkasjärvi nahe bei Kiruna und gestalten mit dem Eis des dick gefrorenen Torne Flusses einzigartige Zimmer im Ice Hotel. Wir können uns bei unserem Rundgang gar nicht sattsehen an den fantastischen Kunstwerken. Kein Wunder, dass jährlich an die 70.000 Menschen hierherkommen und sich einige auch die Übernachtung leisten. Am Abend genießen wir zurück im Wildnisdorf die Ruhe und Einfachheit, ein absoluter Kontrast.
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An den nächsten beiden Tagen steht Schlittenfahren auf dem Programm. Mit den Hunden von Carine, die teilweise aus dem Tierheim kommen. Oder mit den Rentieren von Dirk, die friedlich im Gehege nach Futter scharren. Dirk und seine Helfer:innen führen uns kurz ein, wie wir die Rentiere führen und an die Schlitten spannen und die Fahrt mit ihnen durch das Winterwunderland ist ein ganz besonderes Erlebnis. Lars, Emil und Aron laufen gemütlich vor den Schlitten, fressen zwischendurch etwas Schnee, um sich abzukühlen, und freuen sich über ein paar Flechten als Belohnung. Auch das anschließende Grillen in der Kote ist stimmungsvoll. Dirk grillt am Lagerfeuer schwedische Wurst für uns, bei Fikas gibt es Zimtschnecken und Chokladbullar. Wegen der Kälte wird eine Hundeschlittenfahrt abgesagt und damit ist auf einmal Zeit für eine Wanderung zum Turm auf dem Hausberg, Fotoexperimente mit heißem Wasser, Sockenstopfen, Lesen, Stricken und etwas Entschleunigung. Abendliche Sauna- und Spieleabende und nächtliche Nordlichtalarme gehören sowieso zum Programm. Ganz besonders schön ist auch, dass in der Gruppe so ein fürsorgliches, humorvolles, unkompliziertes und hilfsbereites Miteinander ist.
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Der Bahnhof von Nattavaara ist noch immer für den Personenverkehr gesperrt und so haben wir für unsere Gruppe einen eigenen Schienenersatzverkehr nach Luleå. In Luleå besuchen wir die historische Kirchenstadt Gammelstad, gehen auf das Eis (ja, hier ist die Ostsee zugefroren) und ein paar nutzen noch die Gelegenheit für eine Hundeschlittentour. Und alle erfreuen sich am Komfort eines gemütlichen Hotelzimmers mit warmer Dusche.
Die Heimreise beginnt mit dem Nachtzug von Luleå nach Stockholm. In Stockholm haben wir noch einen interessanten Tag mit zwei gebürtigen Steirerinnen, Christina gibt uns einen Einblick in das gigantische Stadtentwicklungsprojekt Norra Djurgårdsstaden und Angelika führt uns durch die Altstadt.
Und 24 Stunden später sind wir voll mit Bildern und Eindrücken zurück in Linz. Es war eine wunderbare Reise mit sehr, sehr netten Menschen – einfach WELTANSCHAUEN!
PS: Der Termin für die nächste Wildnisdorfreise ist schon fixiert: 25.2. bis 9.3.2027. Bei Interesse schreibt ein kurzes Mail an info@weltanschauen.at und ihr bekommt als erste die genauen Infos.
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