WELTANSCHAUEN - einfach reisen zu Land und Leuten

Interview

Interview mit WELTANSCHAUEN-Gründer Dr. Christoph Mülleder

Was ist das Konzept von Weltanschauen?
Weltanschauen bietet sozial-ökologische Reisen an, die Reisenden neben Sightseeing auch Einblicke in den Alltag und die Lebensrealitäten der lokalen Bevölkerung bieten. So kann man als Besucher und Besucherin die gesellschaftlichen Herausforderungen erkennen und verstehen. Damit das gelingt, sind Gespräche und Begegnungen mit Menschen, die an Brennpunkten tätig sind, Teil jeder Reise. Wir treffen Menschen, die sich sozial, politisch oder ökologisch engagieren und etwas verändern wollen. Wir besuchen Sozialprojekte und bei manchen Reisen gibt es einen Naturschwerpunkt. Wir möchten durch unsere Reisen den Zusammenhang zwischen sozialer Gerechtigkeit und ökologisch verantwortungsbewusstem Handeln zeigen.

Was ist bei Weltanschauen anders als bei anderen Reiseveranstaltern?
Das Thema Nachhaltigkeit! Wo es möglich ist, reisen wir «terran», also mit dem Zug, Bus oder Fähre. Bei einer Reise nach China gab es etwa die Option, mit der Transsibirischen Eisenbahn bis Peking zu fahren. Die Hälfte der Mitreisenden hat das genutzt. Das geht natürlich nicht immer. Manchmal muss man doch fliegen, allerdings planen wir maximal 10% unserer Anreisen mit dem Flugzeug. Das sind derzeit 2-3 Reisen pro Jahr. Für den Gegenwert des dabei verursachten CO2-Ausstoßes finanzieren wir ein konkretes Projekt der Klimaschutzplattform BOKU x Caritas, die von der BOKU Wien gemonitort werden. Außerdem wird jede Reise von einer österreichischen und einer einheimischen Reiseexpert:in begleitet. Es geht uns nicht darum, in fünf Tagen zehn Städte abzuhaken. Sondern darum den Blickwinkel auf die Welt zu verändern, Neues zu lernen und Zusammenhänge zu verstehen.

Wie bist Du auf die Idee gekommen?
Die Idee für Weltanschauen ist meinem langjährigen Job bei in der Internationalen Hilfe der Caritas Oberösterreich geschuldet. Ab 2004 habe ich Reisen zu Projektpartnerinnen und -partnern in verschiedene Länder, kombiniert mit touristischen Highlights für Kolleg:innen organisiert. Schon damals habe ich einen Fokus auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit gelegt. Weil diese Reisen so gut ankamen, es viele positive Rückmeldungen gab und die Sache auch mir Spaß machte, entstand die Idee, diese Art des Reisens auch anderen Menschen zugänglich zu machen und so ein bisher fehlendes Produkt am Reisemarkt zu etablieren.

Was hat Dich selbst dazu gebracht, nachhaltig zu reisen?
Das war ein Prozess. Als meine beiden Töchter noch klein waren, waren wir viel mit dem Auto unterwegs, bis uns bewusst wurde, dass Zugfahren viel entspannter und zugleich ein Abenteuer für uns alle ist. Dann kam das wachsende Bewusstsein für die Klimakrise hinzu. Mir war klar, dass ich mit meinen Reisen etwas verändern kann. Heute bedeutet nachhaltiges Reisen für mich, Verantwortung zu übernehmen. Für das, was wir konsumieren, wie wir unterwegs sind, wen wir unterstützen.

Was verstehen Du bei Weltanschauen genau unter nachhaltigem Reisen – ist das mehr als «nur» ökologische Nachhaltigkeit?
Ja! Natürlich ist die ökologische Dimension sehr wichtig. Der Verkehrssektor ist eine riesige CO2 Schleuder; er verursacht 30% der weltweiten Treibhausgase. Deshalb ist die Wahl des Verkehrsmittels entscheidend und der größte Hebel bei einer Reise. Bei Weltanschauen versuchen wir, wo es geht «terran» zu reisen, am besten mit Öffis. Zur Nachhaltigkeit zählt aber auch, dass die Menschen im bereisten Land fair vergütet und nicht ausgebeutet werden. Außerdem wollen wir möglichst viel Wertschöpfung im bereisten Land lassen. Wir setzen daher auf möglichst lokale Unterkünfte, Slow Food aus der Region und fair gehandelte Produkte. Nachhaltig zu reisen, hat dabei nichts mit Verzicht zu tun, sondern bedeutet einen Zugewinn an Qualität, Intensität und Entschleunigung.

Wie sieht eine typische Weltanschauen-Reise aus?
Die Anreise, meistens öffentlich, ist schon Teil der Reise und manchmal ein kleines Abenteuer. Das ist uns ganz wichtig! Vor Ort dürfen die klassischen touristischen Highlights nicht fehlen, aber wir erleben mehr als das. Spaziergänge, kleine Wanderungen oder andere Erlebnisse in der Natur sind ebenfalls immer Teil des Programmes. Mittlerweile haben wir auch einige reine Wanderreisen im Angebot. Zu Fuß unterwegs zu sein ist eine sehr besondere Art zu reisen. Dann natürlich die Treffen mit Aktivist:innen, Journalist:innen und Sozialarbeiter:innen - also mit Menschen, die etwas bewegen. Das können Mitarbeitende der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in Georgien, ein Biologe im Donaudelta oder eine ORF-Korrespondentin in Brüssel sein. Ausserdem besuchen wir bei vielen Reisen Sozialprojekte. Aber es bleibt auch immer Zeit, selbständig einen Ort zu erkunden. Was alle Reisen gemeinsam haben: Sie verbinden Erleben mit Verstehen, denn außergewöhnliche Reiseerlebnisse hängen nicht vom Ziel ab, sondern vom Blickwinkel.

Was möchtest Du mit Weltanschauen bewirken – bei den Reisenden und darüber hinaus?
Das Ziel der Reisen ist, ein vielschichtiges Bild des bereisten Landes zu bekommen. Unsere Reisen zeigen nicht nur die schönen Seiten eines Landes, sondern auch den Alltag – mit all seinen Herausforderungen. Da sieht man manchmal Dinge, die weh tun. Armut und schwierige Lebensbedingungen. Aber genau das zu sehen, verändert auch unsere Sichtweise und zeigt uns auch, wie gut es uns geht. Man beginnt dadurch, Zusammenhänge zu begreifen. Bei Weltanschauen geht es darum, das soziale Gefüge zu verstehen. Wir wollen aber weder «Entwicklungshilfe-Tourismus» noch Armut zur Schau stellen. Stattdessen setzen wir auf Zusammenarbeit und Begegnungen auf Augenhöhe, respektvolle Neugier und gegenseitiges Lernen. Ziel ist zu zeigen, wie eng soziale Gerechtigkeit und ökologisches Handeln zusammenhängen und es soll eine Veränderung in diese Richtung bewirkt werden. Und zwar der einzelnen Reisenden, aber auch des Reisemarktes.

Wer reist mit Weltanschauen?
Menschen, die nachhaltig denken, nicht auf All-Inclusive setzen, sondern aufs Dazulernen, die offen und neugierig sind. Bei Weltanschauen-Reisen treffen sich oft Gleichgesinnte und der gemeinsame Austausch ist rege und freundschaftlich. Die gemeinsame Wellenlänge stimmt einfach sehr oft. Die Weltanschauen-Community wächst stetig, bis Mitte 2025 waren über 4.000 Menschen mit uns unterwegs.

Welche Rückmeldung gibt es von den Reisenden?
Viele schätzen die Begegnungen vor Ort und die andere Art des Reisens. Es entsteht manchmal eine starke Gruppendynamik, man lernt nicht nur vom Reiseland, sondern auch voneinander. Viele kommen wieder – mittlerweile haben wir viele Stammkundinnen und Stammkunden. Bei unserer Reisereihe «zu den Rändern der Donaumonarchie» gibt es zum Beispiel einige Personen, die jedes Jahr bei der nächsten Etappe mit dabei sind. Und letztens hat eine Vielreisende zu mir gesagt: „Einmal im Jahr Weltanschauen, das muss sein!“ Ich finde, das spricht für sich!

Wie gehst Du mit dem grundsätzlichen Konflikt zwischen Reisen und Nachhaltigkeit um? Oder siehst Du hier keinen Konflikt?
Diesen Widerspruch gibt es. 100 % nachhaltiges Reisen kann es leider nicht geben. Sobald wir reisen, verschmutzen wir die Umwelt. Gleichzeitig ist Tourismus in vielen Ländern eine wichtige Einnahmequelle. Tourismus kann Mensch und Natur zerstören, ja. Aber er kann auch Armut bekämpfen und Motor für positive Entwicklungen sein. Wir wollen zeigen, dass es einen anderen Weg gibt: bewusst, respektvoll, zukunftstauglich. Genau hier wollen wir mit Weltanschauen ansetzen und den Reisemarkt in diese Richtung ein Stück fairer und nachhaltiger machen.


 


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